Bericht des Ehrenvorsitzenden Rolf Schenk zum Willy-Schnelle Haus

1982

1983

1999

 Willy-Schnelle Haus in Willingen-Usseln
Zum 50-jährigen Vereinsjubiläum 2003

Nahezu seit der Gründung des Vereins war es Wunsch und Ziel , ein vereinseigenes Haus im Hochsauerland zu erwerben oder zu erstellen.

Es sollten 30 Jahre Vereinsgeschichte vergehen, bis das hochgesteckte Ziel erreicht werden konnte. Über bescheidene Beitragszahlungen der Mitglieder allein war das Ziel „Skihütte“ im Sauerland nicht zu erreichen und zu finanzieren. Etwa 10 Jahre nach der Gründung sind in den Protokollen der Vorstandssitzungen erste Schriftsätze nachzulesen, wie man an zusätzliche Finanzmittel für das große Vorhaben kommen kann. Man hat dann als entscheidende Ansparquelle eine Tombola zum jährlich durchgeführten „Hüttenfest“ im November eingeführt. Über ca. 20 Jahre hat man so in kleinen Schritten ein kleines Vermögen angespart.

Einige Versuche, eine vereinseigene Unterkunft im Sauerland zu schaffen, scheiterten aus vielerlei Gründen. Unser Ehrenvorsitzender Willy Schnelle schrieb in seiner Chronik zum 25jährigen Vereinsjubiläum 1978 noch resigniert: „Viele der bei der Vereinsgründung gesteckten Ziele wurden erreicht. Doch das wichtigste Vorhaben, das 25jährige Clubjubiläum in einer eigenen Skihütte zu feiern, konnte leider nicht verwirklicht werden. Die damaligen Ereignisse haben die Entwicklung des Skiclubs empfindlich gestört. Das darf uns jedoch nicht entmutigen. Die Grundvoraussetzung für eine notwendige Jugendarbeit ist und bleibt ein eigenes Heim im Hochsauerland.“

Wir haben uns nicht entmutigen lassen. Schließlich wollten wir die mühsam angesparten, wenn auch bescheidenen Mittel, sinnvoll anlegen und die Kauf- oder Baupreise liefen uns auch davon.

Anfang September 1982 wurde unser damaliger Kassenwart Lothar Hilgenstock durch eine Zeitungsannonce auf ein Haus in Usseln aufmerksam, nahm mit dem zuständigen Makler Verbindung auf und wir besichtigten das Haus am 7. November 1982. Verhandlungsbasis für den Kauf: 130 000,00 DM und 8000,00 DM Nebenkosten.

Am 11.11. 1982 war dann die Vorstandssitzung, die zunächst die Zustimmung im Vorstand bringen musste. An diesem Abend wurde lange über das Für und Wider diskutiert und als nach Abschluss der Diskussionen zur Abstimmung aufgerufen wurde, hat sich der Vorstand einstimmig für das Projekt „Hütte“ entschieden.
Die alles entscheidende außerordentliche Hauptversammlung mit großer Resonanz fand dann am 20. November 1982 statt. Die Versammlung stimmte mit großer Mehrheit dem Kauf des Hauses in Usseln zu.

Der Kaufvertrag wurde am 18. Dezember 1982 unterzeichnet. Der Kaufpreis des Anwesens betrug einschließlich aller Nebenkosten 108000,00 DM, davon ca. 2/3 Eigenkapital, Restfinanzierung durch die Stadtsparkasse Gladbeck. Wir waren der Meinung, das ist unter Ausschöpfung aller unserer finanziellen Möglichkeiten der Rahmen, den wir uns ohne Risiko erlauben konnten. Wir sind davon ausgegangen, dass das im wahrsten Sinne des Wortes alte Haus im damaligen Zustand uns zunächst als Provisorium und Behelf ausreicht. Nutzen konnten wir es zunächst sowieso noch nicht, da das Haus erst am 1. April 1983 in unser Eigentum überging.

Schon bald wurden Stimmen laut: „Lasst uns gleich Nägel mit Köpfen machen, lasst uns das Haus von Grund auf sanieren und nach unseren Vorstellungen ausbauen!“ Doch es fehlte das Geld. Und da begann das in unserer Vereinsgemeinschaft zu entstehen, was sich alte Sportskameraden mit Recht an ihre Fahnen steckten – aber meinen, das ist heute nicht mehr möglich in einer Zeit, wo alle nur nach Materialismus streben und die Hand aufhalten. Der Aufbau des Hauses ist der Gegenbeweis – es gibt auch heute noch Idealisten!

Der Umbau gestaltete sich bedeutend schwieriger als vorherzusehen war. Wir haben leider versäumt, Bilddokumentationen zu erstellen, die zeigen, was sich abgespielt hat. Der 1. Arbeitstag war der 25. Juni 1983.

Damals waren 16 Jugendliche, Frauen und Männer des Vereins im Einsatz. Die Hüttenwarte schrieben in ihr Bautagebuch: „Großkampftag, eine Wolke von Baustaub lag über Usseln, vom Dachgeschoß bis zum Keller waren bienenfleißige Leute tätig, um alten Putz und Fliesen abzuschlagen, um altes Mobiliar zu zerlegen und zu verladen, um den Kellerfußboden aufzustemmen und zur besseren Nutzung 50 cm tiefer zu legen.“ Der Wasserspiegel der am Haus liegenden Diemel lag dadurch höher als der Kellerfußboden des Hauses und beim ersten Hochwasser floss ein beträchtlicher Teil des Wassers durch unser Haus. Ca. 30 m³ Bauschutt und Erdaushub wurden an diesem Samstag eimerweise aus dem Bau geschleppt und auf Lkw’s verladen, überschläglich gerechnet, wurden ca. 10000 Eimer von Hand bewegt. So mancher lief nach getaner Arbeit mit Armen herum, die zum „Blumen pflücken im Stehen“ gereicht hätten.

Die Freigabe zur Nutzung und für Übernachtungen erfolgte von den Hüttenwarten am 16. Juni 1984.
Kurze Übersicht der Bauarbeiten in den vergangenen 20 Jahren. Dabei wurde das Haus nahezu ständig bewohn- und benutzbar gehalten.  
Bauphase von 1983 – 1986:
•  Umbau- und Renovierungsarbeiten in Selbsthilfe und mit Eigenkapital
•  Tieferlegung der gesamten Kellerräume um 50 cm,
•  Erneuerung der Kellertreppe in Stahlbeton,
•  Einbau einer Zentralheizung,
•  Erneuerung der gesamten Elektroinstallation,
•  Erneuerung der gesamten Wasserversorgung, der Entwässerungsleitungen einschließlich der Sanitäranlagen,
•  Erneuerung der Fenster mit Isolierverglasung,
•  Fliesenlegerarbeiten im gesamten Keller einschl. Treppe, in Bädern und WC.

Die finanziellen Möglichkeiten des Vereins waren damit restlos erschöpft. Nun trat noch etwas auf, womit wir überhaupt nicht gerechnet hatten. Bereits im Winter 1985/86 zeigten sich Schäden am Dachstuhl und undichte Stellen an der Dachhaut, die sich im folgenden Winter verstärkten und eine Erneuerung des Daches erforderlich machten.

Bauphase von 1987 – 1991:
Die Erneuerung des Dachstuhles einschließlich der Dachdeckung und Änderung des Vordaches mit der Einrichtung eines Skiabstellraumes erfolgte in dieser Zeit. Wir beschlossen, die in der Ausführung bedeutend teurere Dachform beizubehalten, um die architektonisch schöne Form der Vorderansicht zu erhalten. Um einen finanziellen Engpass zu überwinden, traten einige Vereinsmitglieder mit zinslosen Darlehen in Vorlage und uns half eine lange erwartete Investitionshilfe des LSB NW mit einer Kapitalspritze von 60000,00 DM.

Bauphase 1992 – 2002
•  Neugestaltung der Außenfassade und Ausbau eines großen Clubraumes im Anbau,
•  Ersatz der alten Holzfußböden im Erdgeschoß ( Aufenthaltsraum, Küche, Flure, 2 Übernachtungszimmer) durch Stahlbetondecken und Fliesenfußböden.

Von Ostern bis Pfingsten 1992 wurde das Haus für die Benutzung und Vermietung gesperrt. Neben der Weiterführung der Innenarbeiten wurde die Vorder-, Seiten- und Hinterfront mit geringen finanziellen Mitteln, Unterstützung von Sponsoren und in Eigenleistung neu gestaltet.

Im Ortskern von Usseln ist ein Schmuckstück entstanden.

Aus überschläglichen Berechnungen ergibt sich, dass die Mitglieder des Vereins im Durchschnitt ca. 12.000,00 DM an Eigenleistungen erarbeitet haben. Eine wahrlich stolze Bilanz!
Dies war nur möglich, weil viele in diesem Verein uneigennützig ihre Arbeitskraft unter der Leitung der „Ehrenhüttenwarte“ Uli Brecko und Heinz Wojak und des heutigen Hüttenwartes Rolf Licht zur Verfügung gestellt haben.  
RS